Unsere Geschichte

 

Mit geistlichem Segen

Vor 125 Jahren gründete ein Pfarrer den Verein, der später zur Freisinger Bank wurde

Gut möglich, dass die Freisinger Bank ihre Existenz einer göttlichen Eingebung verdankt. Mit Pfarrer Joseph Kaltenhauser hatte 1894 jedenfalls ein Geistlicher die Idee, den Darlehenskassenverein Wolfersdorf zu gründen. Fest steht, dass die Keimzelle der heutigen Erfolgsbank aus der Not heraus geboren wurde.

Die Menschen leiden Ende des 19. Jahrhunderts Hunger. Dünge- und Futtermittel sind knapp und entsprechend teuer. Missernten führen dazu, dass viele Landwirte am Rande des Abgrunds stehen. Doch dafür geht eine andere Saat auf: die des Solidargedankens, den Friedrich Wilhelm Raiffeisen bereits 1843 formuliert hatte: „Was dem Einzelnen nicht möglich ist, vermögen viele.“

Der Beginn

Am 21. Januar 1894 treffen sich die Wolfersdorfer im Wirtshaussaal. So steht es in der Chronik der Freisinger Bank. Der Pfarrer besitzt Überzeugungskraft: 15 Anwesende unterzeichnen spontan das Gründungsprotokoll für den Darlehenskassenverein. Noch am selben Abend findet die erste Generalversammlung statt. Kaltenhauser erhält das Amt des Rechners. Er ist so etwas wie ein nahezu ehrenamtlich tätiger Geschäftsführer.

Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet ein Geistlicher diesen Posten erhält. Denn nur die wenigsten können zur damaligen Zeit überhaupt rechnen, schreiben und lesen. Doch nicht nur die Bildung ist ausschlaggebend. „Den Job musste jemand machen, der den sozialen Gedanken gelebt und das Vertrauen der Bevölkerung besessen hat“, betont Reinhard Schwaiger, heutiger Vorstandsvorsitzender der Freisinger Bank. Und die Landwirte, die ihre Unterschrift auf die Urkunde setzten, benötigten mehr als nur Vertrauen. „Es hat Mut erfordert. Schließlich mussten sie in ihrer misslichen Lage bereit sein, Geld herzugeben.“

Das damalige System: Die Bauern bündelten ihr Erspartes in dem Verein. Aus dem angehäuften Kapital gewährte die Darlehenskasse Kredite. „Die Bauern haben davon Saatgut gekauft und die Darlehen mit ihren Ernteerträgen getilgt“, erklärt Schwaiger. Hilfe zur Selbsthilfe nannte Raiffeisen das.

Pfarrer Kaltenhauser geht mit gutem Beispiel voran. 300 Mark schießt er hinzu – eine kräftige Starthilfe. Bereits im Mai können erste Kredite bewilligt werden. Zwischen 100 und 500 Mark bewegen sich die Summen. Als Sicherheit dient zumeist ein Bürge, selten werden Hypotheken eingetragen. Bis ins Jahr 1964 haften die Mitglieder für die Genossenschaft unbeschränkt mit ihrem privaten Vermögen. Vertrauen und Mut zahlen sich offenbar aus. Bereits zwei Jahre nach Gründung hat sich die Zahl der Mitglieder mehr als verdreifacht – ein Beleg dafür, wie gut der Verein arbeitet.

Der Aufstieg

Und so wird die Wolfersdorfer Bank neben Kirche und Dorfgaststätte so etwas wie der dritte Ortsmittelpunkt. „Sonntags sind die Menschen in die Messe gegangen. Dann haben sie sich beim Rechner Geld geholt und sind damit ins Wirtshaus“, berichtet Schwaiger. Ein Bankgebäude gibt es damals noch nicht. Die Geschäfte finden im Wohnzimmer des Rechners statt. Erst 1939 ändert sich das, als das erste Lagerhaus errichtet wird, und die Bankräume dort Platz finden.

Von den Wirtschaftswunderjahren nach dem 2. Weltkrieg wird auch die Wolfersdorfer Bank getragen. Sie wächst und wächst – und bleibt dennoch bei ihren Wurzeln. Noch immer sind Zusammenhalt, Mut und Vertrauen ihr größtes Kapital. Das beweisen die Mitglieder 1978. Da bietet sich – nach einigen Fusionen – die Chance, das Schranner-Gebäude in Freising zu erwerben. Es befindet sich an der Unteren Hauptstraße in zentraler Lage – und hat seinen Preis. „Auf sechs Millionen Mark beläuft sich die Investition“, berichtet Andrea Stommel, Prokuristin der Bank. „Das war bei einer Bilanzsumme von 76 Millionen Mark ein gewaltiger Kraftakt.“

Heute geht es der Freisinger Bank, wie sie seit 1998 heißt, gut wie nie. 2018 liegt die Bilanzsumme erstmals über einer Milliarde Euro. Neben dem Hauptgebäude, das sich nun an der Münchner Straße befindet, gibt es im Landkreis 14 Filialen der Bank. 14 000 Mitglieder und 41 000 Kunden vertrauen ihr – zu Recht, wie Stommel betont: „Seit 1934 hat kein Mitglied Geld verloren, und noch nie ist eine Volks- oder Raiffeisenbank in Deutschland pleite gegangen.“

Alle Krisen gemeistert: Von der Hyper-Inflation zur Finanzkrise

Fit für das neue Jahrtausend


Die Prophezeiungen waren düster. Um die Jahrtausendwende zweifelten immer mehr sogenannte Wirtschaftsexperten die Existenzberechtigung der Genossenschaftsbanken an. „Da hat es geheißen: Braucht es die noch“, erinnert sich Bankvorstand Karl Niedermaier. Dabei hat die Freisinger Genossenschaftsbank schon einige schlimme Zeiten überlebt: die beiden Weltkriege etwa und die Hyperinflation: Billiarden von Mark müssen 1923 im Wohnzimmer des Rechners gelegen haben – Banknoten über Banknoten, die Tag für Tag massiv an Wert verloren haben. Der Wohnzimmer-Tresor wird zum Giftschrank. 1924 hat der Spuk ein schmerzliches Ende. Die Geschäftsguthaben der Mitglieder werden im Verhältnis von einer Billion Mark zu einer Goldmark umgerechnet.

Eine weltweite Krise ist es auch, die zeigt, dass die Freisinger Bank fit für das neue Jahrtausend ist: die Finanzkrise 2008. „Kein einziger Kunde hat da auch nur einen Euro verloren“, betont Niedermaier. Trotz oder gerade wegen des Lokalbezugs der Bank. Heute sind die Genossenschaften Weltkulturerbe – Ehre und Verpflichtung zugleich. Die Freisinger Bank achtet mehr denn je darauf, ihren Bedarf, soweit es möglich ist, bei lokalen Händlern zu decken. Und auch ihren Prinzipien bleibt die Genossenschaft treu. Gewinnmaximierung mit Hilfe von Waffengeschäften oder Waren, die aus Kinderarbeit resultieren, sind tabu, betont Niedermaier: „Solche Geschäfte gibt es mit uns nicht.“

Kontakt

Ihre Ansprechpartner in unseren Beratungscentern und deren Standorten finden Sie hier



Freisinger Bank eG Volksbank-Raiffeisenbank 

Hauptfiliale

Münchner Str. 2

85354 Freising

Telefon: 08161 / 1890

www.fs-bank.de